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Erbvorbezug: das musst Du wissen!

13.8.2021

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Ob für die Ausbildung, das Eigenheim oder die Selbstständigkeit: Möchtest Du deinen eigenen Kindern noch zu Lebzeiten einen Teil deines Erbes auszahlen, spricht man vom sogenannten Erbvorbezug. Was das genau bedeutet und was Du beachten solltest, zeigt wir Dir hier.

Erbvorbezug: Um was geht es?

Möchtest Du deine Nachkommen finanziell unterstützen, kannst Du bereits zu Lebzeiten einen Teil deines Erbes auszahlen. Ein gutes Beispiel ist der Kauf von Wohneigentum. Können deine Kinder die nötigen finanziellen Mittel nicht allein aufbringen, um ihren Traum vom selbstbestimmten Leben im Eigenheim zu verwirklichen, kann ein Erbvorbezug helfen. Dies kann auch bedeuten, dass die Immobilie der Eltern oder ein Grundstück zu Lebzeiten auf eines der Kinder übertragen wird.

Was sollte beim Erbvorbezug beachtet werden?

Wenn Du über einen Erbvorbezug nachdenkst, solltest Du keinesfalls die Ausgleichungspflicht (Erbrecht) ausser Acht lassen. Diese kommt bei der Erbteilung zum Tragen und dient der Gleichberechtigung aller Erben. Insbesondere bei Immobilien ist zu beachten, dass bei der Erbteilung der Verkehrswert zum Zeitpunkt des Todesfalls gilt. Hat die Immobilie im Laufe der Zeit an Wert gewonnen, muss dieser also vom vorbeziehenden Erbe zusätzlich ausgeglichen werden. Gerade hier liegt grosses «Streitpotenzial». Daher gilt: unbedingt mit einem Experten anschauen.

Kann man die Ausgleichungspflicht umgehen?

Ja klar! Als Erblasser kannst Du eine ausdrückliche Erklärung abgeben, dass der Erbvorbezug nicht auf das Erbe angerechnet werden soll. Achtung: Diese «Erklärung» darf die Pflichtteile von den übrigen Erben nicht verletzen und kann unter Umständen schnell einmal zum Erbstreit führen.

Erbvorbezug oder Schenkung - Gibt es Unterschiede?

Eine Schenkung ist eine «lebzeitige unentgeltliche Zuwendung eines Vermögenswertes». Alles, was Du als «Erblasser» zu Lebzeiten deinen gesetzlichen Erben auf Anrechnung an ihren zukünftigen Erbteil zuwendest, wird als Erbvorbezug bezeichnet. Zuwendungen an deine Erben ohne Anrechnungspflicht und an Dritte (z.B. nicht erbberechtigte) werden als Schenkung bezeichnet. Bei finanziellen Zuwendungen von beispielsweise den Eltern an die direkten Nachkommen wird generell von einem ausgleichungspflichtigen Erbvorbezug ausgegangen, ausser die Ausgleichungspflicht wäre ausdrücklich wegbedungen worden. Diese Handlung darf aber wiederum den Pflichtteil der übrigen Erben nicht verletzen.

Gibt es eine Alternative zu Erbvorbezug und Schenkung?

Eine dritte Möglichkeit, deine Nachkommen noch zu Lebzeiten zu unterstützen, ist ein Darlehen. Während bei Erbvorbezug und Schenkung das Geld in das Vermögen deiner Kinder übergeht, verbleibt es bei einem Darlehen als Guthaben in deinem Vermögen. Deshalb müssen Vermögen und allfällige Zinsen von Dir weiterhin versteuert werden. Deine Kinder können die Schuld und die Zinsen stattdessen vom steuerbaren Vermögen und Einkommen abziehen. Fazit: eine Steuer- & Finanzplanung macht in diesem Fall immer Sinn.

Fallen beim Erbvorbezug oder einer Schenkung Steuern an?

Erbvorbezüge und Schenkungen unterliegen der Schenkungssteuer. Für Deklaration und Begleichung ist in der Regel der Empfänger verantwortlich. Die Steuersätze und Regelungen über die Erbschafts- und Schenkungssteuer sind kantonal geregelt. Massgebend für die Besteuerung und Bezugsort für die Steuer ist der Wohnsitzkanton des Schenkers oder des Erblassers, ausser bei Grundstücken (Gesetz gemäss Lageort = Besteuerung wo die Liegenschaft «steht»).

Wir können dich beruhigen: Ehepartner und Nachkommen sind heute in nahezu allen Kantonen von der Erbschaftssteuer befreit. 😊

Braucht es einen Erbvorbezugsvertrag?

Grundsätzlich nicht. Selbst eine mündliche Vereinbarung ist theoretisch ausreichend. Wir empfehlen Dir aber: den Erbvorbezug schriftlich festzuhalten, um einen Nachweis in der Hand zu halten.

Wichtig: Immobilen bilden eine Ausnahme. Denn bei der Übertragung einer Liegenschaft ist ein vom Notar öffentlich beurkundeter Vertrag unumgänglich.

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